Ich habe mir aus Neugier die Liste der Universitäten angeschaut, an denen man ein Erasmussemester absolvieren kann. Wien hat mich sofort sehr begeistert, denn die Stadt ist nicht nur wunderschön, sondern ist auch die Wiege der Psychologie. Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, ist dort geboren und aufgewachsen und ich habe die Gelegenheit, die Universität mit dessen Namen zu besuchen? Unfassbar! Daraufhin habe ich mich direkt angemeldet. Und so habe ich mich dafür entschlossen, ein Erasmus Semester in Wien zu absolvieren.

Die Anmeldung über die Hochschule Fresenius erfolgte schnell und problemlos. Die Kommunikation mit der SFU Wien war am Anfang recht schwer, hat aber nach mehrmaligen E-Mails endlich geklappt. Das echte Problem kam danach: Die Suche nach einer Unterkunft. München ist dafür bekannt, dass man schneller einen Job bekommt als eine Wohnung. Wien ist mehr oder weniger die gleiche Geschichte. Am liebsten würde ich künftigen Studierenden im Auslandssemester raten, dass sie sich gleich nach der Entscheidung, das Semester zu absolvieren, auf die Suche nach einer Wohnung machen. Es dauert in der Regel 1 bis 2 Monate bis man etwas gescheites findet. Ich hatte Glück, denn ein Bekannter von mir hatte kürzlich seine Firma in Wien eröffnet und konnte mir ein Zimmer in seiner Wohnung vermieten. Jedoch war ich fast 2 Monate auf der Suche nach einer WG/einem Zimmer ohne Erfolg.

Oktober 2018 – Wien: Als ich ankam, war ich von der Stadt sehr überrascht. Ich war schon mal in Wien als Tourist, doch nie als Bewohner. Die Wiener schienen mir so aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit, dass ich mich sofort in das Flair der Stadt verliebt habe. Der öffentliche Verkehr funktioniert gut und pünktlich. Die Stadt ist richtig gut angebunden, daher fand ich das Leben in der Stadt ziemlich bequem. In Wien ist es besonders wichtig, sich innerhalb von drei Tagen nach der Ankunft zu melden, da einen Meldezettel auf jedem Amt benötigt wird, von der Krankenkasse bis zur Fahrkartenverkaufsstelle. Das sollte man also keinesfalls versäumen. Das und alles andere, was Behördengänge betrifft, wird aber auch in den Erasmus- Informationsveranstaltungen am Anfang des Semesters erklärt. Was Sicherheit angeht: natürlich wird in Wien genauso gestohlen wie überall, jedoch ist die Stadt eine der sichersten Europas. Ich habe mich nie unsicher gefühlt, die Polizeipräsenz ist aus meiner Sicht auch relativ hoch.

Zur SFU Wien: Die private Universität lässt sich von der Architektur nicht gut beurteilen. Das Gebäude ist klein und das Angebot an Räumen ist sehr eingeschränkt. Sie hat keine Cafeteria, die Bibliothek ist winzig und die Einrichtung ist auch nicht wunderschön, eher schlicht. Das Angebot an Lehrveranstaltungen fand ich jedoch sehr umfassend und interessant. Spannende und aktuelle Themen werden hier gelehrt. Fachbereiche, die in anderen Unis noch nicht angeboten werden, weil sie zu neu sind (Forensische Psychologie oder Psychologie der Kleidung z.B.). Bei der Qualität der Lehrveranstaltungen kommt es aber sehr auf den Fachbereich und auf den/die DozentIn an. Daher möchte ich hier keine generalisierende Aussagen machen.

Was man in Wien sehen kann: Wien ist eine der imperialen Städte in Europa. Ich könnte hier Seiten über die Sehenswürdigkeiten schreiben, daher werde ich nur meine persönlichen Lieblingsplätze in Wien nennen: Stephanplatz und die Domkirche St. Stephan, das Rathaus und die Karlskirche am Karlsplatz. Den Naschmarkt habe ich relativ spät entdeckt, weil ein paar Freunde mich dahin mitgenommen haben und ich habe ihn geliebt. Am Naschmarkt kann man schön spazieren gehen und spontan etwas in der Sonne essen. Zum Shoppen würde ich durch die Mariahilferstraße (U-Bahn Station Neubaugasse) spazieren, da gibt es die selben Modeläden, die wir in Deutschland haben, doch man kann auch ein paar neue entdecken.

Zum Feiern: ich war ehrlich gesagt nicht oft feiern, da ich das Semester ziemlich ernst genommen habe. Mein Stundenplan war voll von früh bis abends (ich bin übrigens schon 31 und studiere einen Master), aber bin schon sehr gern und oft für ein oder ein paar Biere unterwegs gewesen. Meine Lieblingskneipen waren Le Troquet und Lutz Bar 🙂

Zum Abschluss vielleicht noch eine Bemerkung zum Akzent: Die Wiener sprechen nicht nur Dialekt, sondern haben auch, wenn sie Hochdeutsch sprechen einen witzigen Akzent, von dem ich sehr schnell angesteckt wurde. Am Ende meins Auslandssemesters habe ich auch immer Wiener Dialekt gesprochen und als ich wieder in München war, wurde ich immer darauf aufmerksamgemacht.

Insgesamt bin ich über die Erfahrung sehr zufrieden. Wien hat mir so viele Erfahrungen ermöglicht, die ich sonst vielleicht nie gemacht hätte. Ich könnte mir jetzt tatsächlich vorstellen, irgendwann in Wien zu arbeiten und zu wohnen. Nun muss ich erstmal das letzte Semester meines Master Studiums schaffen und erst danach werde ich mich um meine berufliche Zukunft kümmern.