Während meines Masterstudiums in Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Hamburg habe ich mich dazu entschieden, im dritten Semester ein Erasmus+ Auslandssemester in Lissabon an der Hochschule ISCEM (Instituto Superior de Comunicação Empresarial) zu absolvieren.

Vorbereitung

Nachdem ich beschlossen hatte mein Auslandssemester in Lissabon zu verbringen, wendete ich mich zur Unterstützung an das Competence Center International Services unserer Hochschule und holte mir die Bewerbungsunterlagen für den Auslandsaufenthalt ein. Die Unterlagen umfassten einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, die Bewerbungsunterlagen der Gastuniversität, meine bisherigen Hochschulzeugnisse und ein Learning Agreement. Die gesamten Unterlagen mussten auf Englisch verfasst werden. Bei dem Learning Agreement gibt der Studierende an, welche Fächer er sich anrechnen lassen möchte bzw. kann. Dies sollte mit dem Studiendekan, in meinem Fall bei Herrn Joost van Treeck, und den Ansprechpartnern an der Gastuniversität abgeklärt werden. Sobald eine Einwilligung beider Parteien besteht, ist das Dokument gültig. Nachdem alle Dokumente bei der Gastuniversität und meiner Hochschule eingereicht wurden, erhielt ich zwei Wochen später meine Zusage. Daraufhin musste ich einen online Englischtest absolvieren, der mein Leistungsniveau bestimmte. Ich buchte meinen Hinflug am 1. September, schloss eine Zusatzauslandskrankenversicherung bei Envivas ab und machte mich auf Wohnungssuche.

Diese beschränkte sich primär auf Facebook, Uniplaces und Airbnb. Durch Airbnb fand ich letztendlich eine preiswerte Unterkunft mit vier weiteren Mitbewohnern in dem Stadtteil Santos. Die meisten Studenten, die ich kennengelernt habe, zahlten zwischen 300€ und 500€ für ihre Wohnung. Mit der Wohnungssuche sollte zeitnah begonnen werden, da in Lissabon, wie auch in anderen Großstädten, eine hohe Nachfrage besteht. Den Flug buchte ich bei TAP. Der Flughafen in Lissabon liegt recht zentral und ist ungefähr 20 Minuten von der Innenstadt entfernt. Von diesem kann man sowohl mit der Metro, als auch mit einem Uber für 10 € sehr günstig zu der Wohnung gelangen.

Formalitäten vor Ort

An Formalitäten stand nicht mehr viel an. Ich traf mich zuerst mit meiner Vermieterin, um den Mietvertrag zu unterschreiben und ließ mir von ihr die Wohnung zeigen. Die Lage in Santos war durch die gute Anbindung an Bahnen und Bussen optimal. Zu meiner Hochschule ISCEM waren es 20 Minuten Fußweg, weshalb ich die öffentlichen Verkehrsmittel nur selten in Anspruch genommen habe. Wollten wir mit der Fähre den Fluss überqueren, mussten wir eine Art Papierkarte kaufen, auf welche die einzelnen Fahrten geladen wurden. Der große Fährenhafen hierfür ist der Cais do Sodre.

Von der Beauftragten meiner Gasthochschule, Frau Catarina Machado, musste meine Confirmation of Stay unterzeichnet und in meiner Hochschule in Deutschland eingereicht werden. Nachträgliche Änderungen des Studienplans waren möglich, mussten jedoch auch zuerst von beiden Hochschulen genehmigt werden. Zudem bekam ich einen internationalen Studentenausweis. Anschließend erhielt ich die ersten 80% von meiner Erasmus Förderung auf mein Konto. Dank meines Handyvertrages konnte ich während meines Aufenthaltes kostenlos telefonieren und surfen. Auch finanziell war es mir dank meiner Bank möglich, in Lissabon kostenlos Geld abzuheben. Eine sehr attraktive Anschaffung für meinen Aufenthalt war die ELL Card Lissabon, durch ich günstiger an verschiedene Ausflüge, Kurse, Sehenswürdigkeiten und Flüge kam. Die ELL Card und weitere Informationen bezüglich meines Erasmus Aufenthaltes konnte ich mir in dem Erasmus Life Lisboa Center einholen, welches sich in der Travessa da Cara 14, 1200-089 Lisboa befindet.

Alltag/ Freizeit

Mein Alltag in Lissabon bestand hauptsächlich aus Vorlesungen, einem Sprachkurs in Portugiesisch und Unternehmungen mit Freunden. Die Vorlesungen an der ISCEM fanden bei den meisten Studenten zwei bis vier Mal die Woche statt. Hierbei konnte zwischen Kursen in Business Communication und Marketing Management entschieden werden. Die abschließenden Klausuren fanden Ende Januar und Anfang Februar statt. Eine Besonderheit hierbei stellt das Notensystem in Lissabon dar. Insgesamt müssen mindestens 10 von 20 Punkten erzielt werden, sodass die Leistung als bestanden gilt. Es mussten jedoch auch kontinuierlich Präsentationen gehalten und Hausarbeiten abgegeben werden. Der Sprachkurs wurde von der Lisbon Language School angeboten und kostete mit Discount durch die ELL Card 120€. Er dauerte drei Monate, von Oktober bis Dezember. Am Ende des Kurses wurde ein Test absolviert, welcher mit mindestens 50 % bestanden werden musste.

Allgemein haben die Erasmus Organisationen ELL und ESN viele Ausflüge und Events wie zum Beispiel Pubcrawls, Ausflüge an die Algarve und Partys in den Clubs Urban Beach oder Lust in Rio angeboten. Wer Lust auf einen Partytrip hat, sollte mit ELL oder ESN an die Algarve reisen. Möchte man jedoch mehr von Portugal sehen, sollte man sich ein Auto mieten und die Westküste runter nach Lagos fahren. Es gibt wunderschöne Strände auf dieser Strecke, bei denen es sich lohnt anzuhalten. Ebenso sehenswerte Ziele sind Porto, Peniche und Sintra. Auch hier kann man sich ein Auto für wenig Geld mieten. Cascais ist ebenfalls eine tolle Stadt, kann jedoch auch mit dem Zug innerhalb einer Stunde erreicht werden.

Lissabon ist allgemein eine wunderschöne Stadt und hat als Hauptstadt Portugals neben dem Fluss Tejo und den zahlreichen Parks, wirklich einiges zu bieten. Zudem ist Lissabon sehr hügelig und hat dadurch einige lohnenswerte Aussichtsplattformen, die einen tollen Blick über die Stadt ermöglichen. Mindestens einmal sollte man mit der Tram 28 die Stammstrecke abfahren. Diese Tram gilt nicht ohne Grund als Touristentram. Diese ist nämlich oftmals ziemlich voll, fährt jedoch alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt ab. Weiterhin lässt es sich in Lissabon gut einkaufen. Während die Innenstadt um Baixa- Chiado zum Shoppen in der Fußgängerzone einlädt, findet man verschiedenste Läden im größten Einkaufszentrum des Landes, dem Columbo. Auch das Nachtleben in Lissabon ist sehr vielseitig und hat einiges zu bieten. Neben einmaligen Rooftopbars und dem Bairro Alto oder der Pink Street, in denen sich einige Bars und Clubs anreihen, liegen die größten Clubs am Tejo- Ufer und verlangen Eintrittspreise zwischen zwölf und zwanzig Euro.

Für mich war das Semester in Lissabon eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Es ist zu meiner Lieblingsstadt geworden und hat mein Erlebnis unvergesslich gemacht. Ich bin dankbar dafür, dass ich meine Erfahrungen in so einer tollen Stadt sammeln und einige neue Freundschaften weltweit schließen konnte. Ich kann diese Erfahrung jedem nur weiterempfehlen.