Nikolas studiert Wirtschaftspsychologie am Standort Berlin und hat ein Freemover Semester in Melbourne am Royal Melbourne Institute of Technology verbracht. 

Motivation

Für mich stand es außer Frage innerhalb meines Studiums ein Auslandssemester zu machen. Hierbei kamen für mich primär außereuropäische Ziele in Frage, da ich mich außerhalb dem von mir bekannten Kulturkreis bewegen wollte. Ich überlegte anfangs nach Kanada (Vancouver) zu gehen, musste aber leider feststellen, dass sich die Semesterzeiten dermaßen unpraktisch überlappten, dass es mit einigen Komplikationen verbunden wäre, mitten in meinem eigenen Semester den Auslandsaufenthalt zu beginnen. In Australien hatte ich die Möglichkeit unmittelbar anschließend an mein Wintersemester das dortige neue Sommersemester Mitte Februar zu beginnen.

Reise nach Australien

Die Reise nach Australien bedeutet erst einmal fast 24 Stunden in einem Flugzeug zu verbringen, da man sich ausgehend von Europa an eines der am weitesten entfernten Reiseziele begibt. Flüge sind, je nach Angebot und Saison, leider auch recht teuer. Ein Preis von 700 Euro aufwärts ist zu kalkulieren. Um ein Visum muss man sich im Voraus ebenfalls kümmern. Dies funktioniert aber ziemlich einfach und schnell online. Die Atmosphäre macht einiges nach der langatmigen Anreise wieder wett – freundliche Menschen, Sonnenschein und ein vor sich liegendes Abenteuer auf einem anderen Kontinent.

 

 

 

Unterkunftssituation

Zu empfehlen ist es, sich im Voraus über Plattformen wie Airbnb eine temporäre Unterkunft zu organisieren, um vor Ort den lokalen Wohnungsmarkt mit Unterstützung, von z.B. der Universität und Tipps und Tricks von Einheimischen, unter die Lupe zu nehmen. Natürlich ist es auch möglich mit einigen der internationalen Studierenden eine Wohngemeinschaft zu gründen, was oftmals zu einer Reduzierung der Kosten führen kann. Dabei gilt es auf dem australischen Wohnungsmarkt vor allem die Plattform Flatmates.com.au zu beachten, die das größte Netzwerk für Inserate von Wohnungen und WGs darstellt (gleichzusetzten mit WG-gesucht).

Man sollte bei der Wohnungssuche gerade in Melbourne auf keinen Fall überteuerte, aber natürlich einfach zu organisierende Unterkünfte über die Universität bewohnen. Diese können schnell im Bereich von 400 AUD pro Woche liegen, wo hingegen es möglich ist ein günstiges WG Zimmer in Brunswick (einem etwas nördlicheren Stadtteil Melbournes, aber dafür sehr angesagt) für 150-180 AUD pro Woche zu bekommen.

Somit keine überorganisatorischen Schnellschüsse von zuhause tätigen, lieber eine sichere Unterkunft für die ersten 2-3 Wochen organisieren und sich dann vor Ort Informieren und umschauen.

Unileben

Das RMIT befindet sich mit mehreren Campi sehr zentral in Melbournes Stadtzentrum und ist somit sehr gut zu erreichen. Der Campus ist weitläufig, modern, gut ausgestattet und sehr stylisch. Ein Mix aus historischen schlossähnlichen Gebäuden bildet zusammen mit modernen Glasfassaden eine nett anzuschauende Symbiose.

Zum Start des Semesters geht es los mit der Orientation Week, welche aus einem Tag Kennenlernen von Land und Kultur besteht. Es wurde ein Mitglied der indigenen Bevölkerung eingeladen, der sehr viel über die Bräuche und Lebensweise der Aborigines erzählt hat, was äußerst spannend war. Der 2. Tag stand ganz unter dem Motto die Stadt Melbourne näher zu erkunden und mit einer Stadtrallye zu versuchen einen kleinen Überblick über die Metropole zu erlangen. Am letzten Tag gibt es Führungen durch die zahlreichen Unigebäude und eine damit verbundene Rally.  Am Ende des Tages findet man sich wieder mit allen internationalen Studenten zusammen und lässt die Eindrücke gemeinsam in einer uninahen Bar sacken.

Der darauffolgende Unialltag ist ähnlich wie in Deutschland gestaltet. Jeder Kurs beinhaltet eine Vorlesung und ein Tutorium. Zweiteres ist verpflichtend zu besuchen. Vorlesungen können praktischerweise auch online angehört und angesehen werden. Die RMIT ist eine technische Uni und eine praktische Auslegung der Inhalte ist deshalb spürbar. Außerdem muss man in jedem Kurs sowohl eine Gruppenarbeit, einen Essay, als auch am Ende des Semesters eine Klausur absolvieren. Dies sorgt für eine Varianz der Aufgaben und führt zu einem sehr guten Lerneffekt der Inhalte.

Leben in Australien

Das Leben in Australien ist spürbar von einer sehr hohen durchschnittlichen Lebensqualität geprägt. Menschen sind offen, gesprächig, fröhlich und generell sehr zugänglich. Bei jedem Besuch eines kleinen Geschäftes oder einer Bäckerei wird man mit einer freundlichen Frage nach seinem aktuellen Gemütszustand begrüßt. Daraus entwickeln sich oft kleine Gespräche. Generell herrscht eine einladende und zu Deutschland wirklich auffallend herzlich offene Stimmung in Mitten der Bevölkerung.

Aber auch städtebaulich hat Melbourne wirklich alles zu bieten, was das Herz begehrt; von einem schönen Strandabschnitt im Süden in St. Kilda, über einen sehr szenigen, diversen Bereich im Norden in Fitzroy/Collingwood/Brunswick, geprägt von Graffitikunst, Bars, Cafés und Second Hand Läden, bis zum Busy CBD mit Wolkenkratzern und Rooftop Bars. Die südlichste Metropole der Welt hat Ihren Titel verdient.

Die meisten internationalen Studenten, die in Australien waren, haben die Chance auch genutzt, um zu arbeiten. Der australische Mindestlohn ist gerade im Staat Victoria (Hauptstadt Melbourne) sehr hoch. Natürlich gibt es in Australien unzählige wunderbare Reisemöglichkeiten, aber äußerst empfehlenswert ist es in Australien zu arbeiten und anschließend auf dem Heimweg Richtung Südostasien aufzubrechen. Dort sind Lebensunterhaltungskosten im Gegensatz zu Australien sehr niedrig und das erwirtschaftete Geld somit noch mehr Wert.

Alles in allem war das Auslandssemester eine wunderbare Erfahrung, geprägt von Erlebnissen und Momenten, die man lange in Erinnerung behalten wird.Es ist wichtig, Eindrücke die man im Auslandssemester macht und die damit verbundene persönliche Prägung auch nach der Rückkehr in den Alltag einfließen zu lassen, da viele Erkenntnisse, die man fernab des gewohnten Umfelds erlangt, äußerst wertvoll und im routinierten heimischen Umfeld schwer zu erlangen sind. Ich kann es nur jedem raten die Möglichkeit zu nutzen und einen kleinen Zeitraum während seines Studiums in einem anderen Land zu verbringen.