Samira studiert Tourismus-, Hotel-, und Eventmanagement am Standort Köln und hat im Rahmen des Erasmus Programms ein Auslandspraktikum auf Teneriffa gemacht.

Vorbereitung

Auf der ITB 2016 fing alles an: meine Freundin und ich hatten die Idee ein Urlaubssemester einzulegen, um einen ersten Eindruck über die Arbeit in der Hotelbranche zu gewinnen. Der Gedanke, sowohl meine an der Uni erworbenen Kenntnisse in einem Hotel anzuwenden, als auch meine Sprachkenntnisse aufzubessern, gefiel mir sehr gut.  Ein Hotelpraktikum auf den Kanaren schien mir daher genau das Richtige zu sein! Daher entschied ich mich für ein Urlaubssemester im 4. Studiensemester.

Für mich stand schnell fest, dass es nach Teneriffa gehen soll. Also begann ich bereits Ende April meine ersten Bewerbungen zu schreiben. Da ich im Sommer 2016 auf Teneriffa war, wollte ich dort bereits meine ersten Bewerbungsgespräche haben. Dies klappte auch, doch leider war nicht das Richtige dabei. Ein Hotel verlangte ein Spanisch Niveau von C1/2, in einem anderen Hotel hätte ich mir noch eine Wohnung suchen müssen und so gab es noch diese und jene Hindernisse. Ich schrieb noch weitere Bewerbungen und wartete auf Rückmeldungen.

Weiterhin suchte ich im Internet nach Hotels, die Praktika anbieten. Durch Zufall bin ich dann auf eine Internetseite gestoßen, die Praktikumsstellen auf den Kanaren und auch anderen Orten auf der Welt vermittelt. Ich schaute mir diese Seite genauer an und entschied mich dazu, den Kontakt aufzunehmen. Die Bewerbungsabwicklung ging anfangs relativ schnell. Ich musste lediglich meinen Lebenslauf auf Spanisch oder Englisch per E-Mail zusenden. Danach folgte ein Skype Gespräch, in dem ich nochmal genauer schildern konnte, was ich mir von dem Praktikum erhoffe. Als Bereich nannte ich Marketing/Sales oder PR/Qualitätsmanagement. Daraufhin bekam ich eine Auswahl an Hotels zugeschickt. Das H10 Costa Adeje Palace war eines davon, welches mir auch von der Organisation selbst ans Herz gelegt wurde, da dort immer viele Praktikanten zur selben Zeit sind und man gleich Anschluss zu Gleichgesinnten finden würde. Somit entschied ich mich für das H10 Hotel.

Da es in Spanien mittlerweile ein Gesetz gibt, dass nur noch eingeschriebene Studenten, die ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen, auch ein Praktikum machen dürfen, hatte ich der Organisation bereits zu Beginn mitgeteilt, dass es sich bei mir um ein freiwilliges Praktikum handeln würde. Dies schien zunächst kein Problem zu sein. Ich bekam die Zusage und mir wurde der Praktikumsvertrag zugesendet, der von Seiten der Hochschule, sowie von mir unterschrieben werden musste. Es dauerte nicht lange, und ich bekam eine Mail von der Organisation, dass ich doch bitte meinen Studienplan einreichen soll, dem zu entnehmen ist, dass es sich um ein Pflichtpraktikum handelt. Im ersten Moment dachte ich, dass ich mir woanders ein Praktikum suchen muss, doch nach langem hin und her, fand sich eine Lösung, sodass ich ohne weitere Probleme mein Praktikum antreten konnte. Das zu unterschreibende Formular wurde etwas abgeändert, sodass es von beiden Seiten keine weiteren Beanstandungen gab.

Auf die Erasmus + Förderung bin ich durch eine Freundin gestoßen und habe mich daraufhin an der Uni informiert. Ich schrieb ein Motivationsschreiben für die Bewerbung auf ein Stipendium. Da ich relativ spät dran war, habe ich nicht mehr damit gerechnet, dass es tatsächlich noch klappen würde. Doch nur ein paar Tage später kam die Zusage und die notwendigen Unterlagen, die das Hotel noch ausfüllen musste, wurden mir zugeschickt. Das sogenannte „Learning Agreement“, in dem alle erforderlichen Angaben ausgefüllt werden sollten, musste auch von allen verantwortlichen Personen unterschrieben werden. Nun stand nichts mehr im Wege und das Abenteuer konnte beginnen.

Anreise und Ankunft

Am 26. Februar um 6:50 Uhr ging es dann endlich los, so hatte ich noch 2-3 Tage im Voraus, bis das Praktikum begann. Für die ersten vier Tage mietete ich mir ein Auto, da ich wusste, dass noch ein paar Behördengänge auf meiner Liste standen. Als ich in Teneriffa landete, wartete ich auf mein Gepäck und wurde dann zu meinem Mietauto gebracht. Ich machte mich auf dem Weg ins Hotel. Dort angekommen ging ich zur Rezeption und stellte mich als neue Praktikantin vor. Alle waren super freundlich und nahmen mich sehr herzlich auf. Eine andere Praktikantin zeigte mir mein Zimmer, die Hotelanlage, sowie meinen zukünftigen Arbeitsplatz. Dort habe ich gleich eine meiner neuen Kolleginnen kennengelernt.

 Versicherung

Da ich bereits eine Zusatzauslandsversicherung habe, sowie eine Haftpflicht, bin ich zunächst davon ausgegangen, dass diese ausreichen würden. Doch die Organisation teilte mir mit, dass das Hotel drei obligatorische Versicherungen verlangt. Sowohl durch die Organisation als auch durch die Fresenius bin ich auf die Hanse Merkur gestoßen. Da mir alles andere zu kompliziert erschien, schloss ich eine zusätzliche Versicherung ab, die in einem Versicherungspaket meinen Auslandsaufenthalt versicherte.

Unterkunft

Die Unterkunft sowie die Verpflegung wurden mir vom Hotel gestellt. Das Hotel zahlt bei einem Pflichtpraktikum ein Taschengeld in Höhe von 150€, da ich mein Praktikum jedoch im Rahmen des Erasmus Programms absolviert habe, entfiel dieses Taschengeld.

Alle Praktikanten hatten ein Personalzimmer im Hotel. Ich teilte mir ein Zimmer mit einer anderen Praktikantin, mit der ich mich auf Anhieb super verstand. Außerdem arbeiteten wir zusammen im selben Bereich. Das Zimmer war klein und einfach eingerichtet, aber reichte vollkommen aus, weil wir bei dem tollen Wetter die meiste Zeit außerhalb verbrachten. Da wir auch relativ schnell neue Leute kennenlernten und immer mehr neue Praktikanten ankamen, waren wir ständig unterwegs, wenn wir nicht gerade arbeiten mussten. Das Essen war anfangs super und wir waren überrascht, dass es so eine große Auswahl gab, doch nach einiger Zeit konnten wir das Essen nicht mehr sehen, da es nahezu jede Woche das Gleiche gab. An Tagen, an denen zum Beispiel eine „Barbacoa“ (Grillabend) oder ein Event stattfand, durften wir nach Feierabend noch etwas des leckeren Essens genießen. Das Hotel ist direkt am Strand gelegen, was natürlich optimal für uns war. So verbrachten wir viele unserer Mittagspausen am Strand. Im Sommer fanden immer tolle Shows und Thementage in der großen Hotelanlage statt. Besonders schön waren die Poolpartys, an denen wir teilnehmen durften.

Das H10 Costa Adeje Palace verfügt über 486 Zimmer, 3 Restaurants, 3 Bars, einen kleinen Laden, Mini Club für die kleinen, einen Tennisplatz und einen kleinen Mini Golf Platz. Es befindet sich in erster Meereslinie und hat eine Kapazität für bis zu 1.100 Gäste. Das Hotel gehört zur H10 Hotelkette, deren Sitz in Barcelona liegt. Sie bestehen aus über 45 Hotels an 16 Orten.

Praktikum

Das H10 Costa Adeje Palace war für fünf Monate mein neues zu Hause. Ich arbeitete in der Public-Relations-Abteilung, in der neben mir noch eine Praktikantin (meine Mitbewohnerin) und fünf weitere Kollegen arbeiteten. Wir kommunizierten hauptsächlich auf Spanisch untereinander. Dies klappte auch sehr gut und ich merkte schnell, dass sich vor allem mein Fachvokabular verbesserte.

Ich arbeitete 40 Stunden in der Woche und hatte dabei wöchentlich zwei Tage frei. Meine Arbeitszeiten variierten: entweder geteilte Schichten von 8:30-12:30 und 18:00-22:00 oder von 14:00-22:00. Beides hatte seine Vor-, und Nachteile.

Die Arbeit in der Abteilung PR/Qualitätsmanagement hat mir auf Anhieb gut gefallen, weil ich Verantwortung übertragen bekommen habe und meinen Aufgabenbereich von Woche zu Woche erweitern konnte. Ich habe viel gelernt und hatte auch Spaß an der Arbeit. Unsere Hauptaufgabe lag in der Gästebetreuung, besonders den Privilege Gästen. So suchten wir den täglichen Kontakt zu den Gästen und fragten nach deren Befinden, gaben Ausflugstipps und kümmerten uns bei Problemen umgehend um eine Lösung. Am schwierigsten war es, wenn Gäste weder Englisch, Spanisch, Deutsch noch Französisch sprachen, da man teilweise nicht wusste, was der Gast von einem wollte.  Da die Privilege Gäste extra Bereiche sowie andere Zimmer hatten, gehörte es auch zu unseren Aufgaben, vor Anreise dieser Gäste die Zimmer zu kontrollieren, bei Ankunft mit einer Kollegin den Check-In an der extra Rezeption mit Zugang zur Lounge zu übernehmen sowie Reservierungen in dem A la Carte Restaurant oder bei dem hauseigenen japanischen Restaurant vorzunehmen. Weitere Tätigkeiten waren die Evaluierung der Fragebögen, Übersetzungsarbeiten, Beantwortung der E-Mails sowie Telefon Gespräche. Im Büro arbeiteten wir hauptsächlich mit Microsoft Programmen, sowie speziellen Programmen der Hotelbranche, wie beispielsweise SAP. Da wir als Schnittstelle aller Abteilungen rund um die Gästebetreuung fungierten, gab es kaum einen Tag ohne Überraschungen und manchmal durchaus merkwürdigen Wünschen und Ereignissen. So war jeder Tag eine echte Herausforderung und es wurde nie langweilig.

Des Weiteren übernahmen wir die Organisation von Überraschungen an besonderen Tagen wie Geburtstagen, Hochzeitstagen, Flitterwochen etc. Besonders toll waren die Tage, an denen Veranstaltungen stattfanden, von Kommunionen über Hochzeiten bis hin zu Events großer Unternehmen. Vor allem in Erinnerung ist mir das Thomas Cook Event geblieben. Dies war ein ganz besonderer Tag, nicht nur für uns, sondern für das ganze Hotel. Wir bekamen besondere Kleidung für diesen Tag und wurden geschminkt. Auch Hochzeiten waren immer wieder ein tolles Erlebnis. Mit dabei zu sein und an der Organisation und Vorbereitung beteiligt zu sein, war jedes Mal aufs Neue ganz besonderes. Wir empfingen und begleiteten die Gäste bis hin zur Location und kümmerten uns darum, dass die Honeymoon Suite rechtzeitig vorbereitet war.

Alltag und Freizeit

Neben der Arbeit blieb mir und den anderen Praktikanten auch noch genügend Zeit zum Sonnen am Strand, zum Feiern und zum Erkunden der Insel. Da ich Ende Februar angekommen bin, konnte ich nicht nur die Karnevalzeit in Köln mitnehmen, sondern auch auf Teneriffa, was jedes Mal wieder beeindruckend ist. Alle feiern zusammen auf den Straßen, bis die Sonne wieder aufgeht. Am Wochenende fand ein großer Umzug mit Sambatänzerinnen durch die Hauptstadt Santa Cruz statt. Das Leben ist dort wirklich ganz anders – alles ist entspannter. Die Leute sind nicht so hektisch, selbst bei der Arbeit. Auf der anderen Seite muss man sich aber auch an die Unpünktlichkeit der Spanier gewöhnen.

Am besten kann man die Insel mit dem Auto erkunden, da man flexibler ist und dort halten kann, wo und wann man möchte. Durch das Hotel haben wir sehr viele Ausflüge und Unternehmungsangebote umsonst oder zu einem günstigeren Preis bekommen. Dies lohnte sich vor allem für die Katamaran Tour, da diese normalerweise relativ teuer ist. Auf der Tour sichtet man Delphine und Wale und hält in einer Bucht in der man, wenn es schön warm ist, eine Runde schwimmen kann.

Teneriffa bietet viele verschiedene Unternehmungsmöglichkeiten. Wer Wasserrutschen und Aktion liebt, für den ist der Siam Park genau das Richtige. Auch der Loro Parque im Norden der Insel ist einen Besuch wert. Eine weitere einzigartige Sehenswürdigkeit ist der Berg Teide. Mit seiner Höhe von 3.718 Metern ist er nicht nur die höchste Erhebung auf den kanarischen Inseln, sondern auch der höchste Berg auf spanischem Staatsgebiet. Wenn gutes Wetter ist, hat man das Glück auf dem Hin-, bzw. Rückweg ganze vier Inseln aus der Ferne zu sehen: Gran Canaria, La Gomera, La Palma und El Hierro. Auch, wenn ich schon unzählige Male auf der Insel war, entdecke ich immer neue Ecken, ob Strände oder gemütliche kleine Gassen.

Da wir immer zwei Tage am Stück frei hatten, lohnte es sich auch die anderen Inseln zu erkunden. La Gomera ist von Teneriffa aus nur eine halbe Stunde mit der Fähre entfernt. Gran Canaria habe ich mit Binter (einer kleinen Fluggesellschaft, die hauptsächlich zwischen den Kanarischen Inseln verkehrt) besucht. Der Flug dauerte nicht mal eine halbe Stunde. Wer Sport in der Natur mag, wird Teneriffa lieben. Vom Klettern, Surfen, Segeln, Wandern bis hin zum Tauchen kann man alles ausüben. Im Süden gibt es sehr viele Wasseraktivitäten, ob Jet Ski, Kayak Tour, Parasayling oder Flyboard, alles Aktivitäten, die super viel Spaß machen, vor allem an heißen Tagen.

Zum Shoppen eignet sich im Süden der Insel die Siam Mall, sie ist mit dem öffentlichen Bus vom Hotel in nur 10 Minuten zu erreichen. Neben den zahlreichen Läden befinden sich auch viele Restaurants, Cafés, sowie ein Supermarkt in dem Shopping-Center.

Wenn man dem Massentourismus für eine Weile mal entfliehen möchte, dann sollte man sich auf den Weg in Richtung Norden machen, wie zum Beispiel nach La Laguna (die Universitätsstadt), Garacchico (Typisches kanarisches Dorf), Puerto de la Cruz (auch touristisch, aber schön grün), La Orotava, etc. Im Süden empfiehlt sich El Médano, meiner Meinung nach, ein sehr schöner Ort und besonders bei den Surfern beliebt.

Im Sommer beginnt die Festival Zeit, die wir noch miterleben konnten. Auch die traditionellen kanarischen Feste, wie Día de Canaria, Virgen del Carmen etc., sind immer wieder faszinierend.

Ein paar weitere Tipps: Das Hard Rock Café im Süden der Insel ist beeindruckend und eines meiner Lieblingsplätze ist das Sunset 290, welches sich im Norden der Insel befindet. Ein Restaurant in dem man lecker essen oder auch nur einen Cocktail zum Sonnenuntergang genießen kann. Santa Cruz, Las Teresitas, Masca und das Anaga Gebirge sind auch schöne Orte, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit

Insgesamt kann ich ein Praktikum in einem anderen Land und einer anderen Kultur nur empfehlen.
Es ist etwas ganz Anderes in einem Hotel, in dem man sonst Urlaub machen würde, zu arbeiten. Die Zeit im H10 Costa Adeje Palace hat mir einen tollen ersten Einblick gegeben, was es heißt in der Hotelbranche zu arbeiten. Man lernt sich in neuen, manchmal schwierigen, Situationen zurechtzufinden und stärkt somit seine Persönlichkeit. Ich habe während des Praktikums auf jeden Fall gelernt, auch in Stresssituationen die Ruhe zu bewahren. Außerdem fällt es mir durch den täglichen Kontakt mit den Gästen leichter auf Menschen zuzugehen, was in der Branche sehr wichtig ist. Ich hatte eine super schöne Zeit und habe nette Leute kennen gelernt, mit denen ich viel unternommen habe und zu denen ich auch danach noch den Kontakt halten werde. Die Spanier waren immer sehr herzlich und offen. Weiterhin findet das Leben viel mehr draußen statt.

Durch den Kontakt mit den Hotelgästen aus der ganzen Welt haben sich nicht nur meine Spanischkenntnisse, sondern auch meine Englischkenntnisse verbessert und ich konnte feststellen, dass mir die Arbeit in der Hotelbranche liegt und ich auch nach meinem Studium in diesem Bereich arbeiten möchte. Diese Erfahrung war wirklich einzigartig und ich würde es sofort wieder machen!

Bei Fragen könnt Ihr mich auch gerne unter folgender Email Adresse kontaktieren: saoud.samira@stud.hs-fresenius.de