Leonie Schweinsteiger hat in Südafrika im Jahr 2014 ein Praktikum gemacht. Sie studierte Angewandte Psychologie am Standort München.

Südafrika: Eigentlich viel mehr Swellendam, eine Kleinstadt mit knapp 20000 Einwohnern, östlich von Kapstadt gelegen, war mein neues Zuhause vom 28.07.2014 bis zum 09.11.2014. Hier habe ich mein Praktikum für das Studium der angewandten Psychologie an der Hochschule Fresenius München absolviert. Auf das Land Südafrika kam ich durch Zufall. Durch meine Handballmannschaft habe ich über das Internet erfahren, dass dort Praktikumsplätze zu vergeben sind, die die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Townships sowie die Arbeit mit körperlich und geistig behinderten Kindern bis Erwachsenen beinhalten. Ich war sofort begeistert und habe mich erfolgreich für einen solchen Praktikumsplatz beworben. Nachdem ich meinen Aufgabenteil erfahren hatte (Kinder/Jugendliche psychologisch unterstützen und ihnen durch sportliche Aktivitäten Perspektiven schaffen) und eine Zustimmung von der Hochschule Fresenius für die Genehmigung dieses Praktikums erhielt, ging alles recht schnell.
Im Mai 2014 war klar, dass ich im Juli nach Südafrika fliegen werde. Die Vorbereitungen habe ich schnell und leicht erledigen können. Ich brauchte lediglich einige Impfungen und eine komplette Gesundheitsuntersuchung. Ein Visum hätte man schon 2,5 Monate früher beantragen müssen um es rechtzeitig zurück zu erhalten, woran ich vorerst nicht gedacht hatte, jedoch habe ich nach einigen Recherchen erfahren, dass ich dies auch vor Ort regeln könne. In Südafrika angekommen, habe ich mich natürlich erst einmal darum gekümmert. Der ganze Prozess hat glücklicherweise nur vier Wochen gedauert und die Kosten waren äquivalent zu denen in Deutschland. Um mobil zu sein, kaufte ich mir eine Prepaid-Karte, die ganz einfach immer wieder aufgeladen werden konnte.
Untergebracht war ich bei einer super netten Gastfamilie. An den Wochenenden war ich jedoch auch viel unterwegs und habe die Unterkünfte überwiegend kurzfristig über das Internet, mündliche Empfehlungen oder eigene Erfahrungen buchen können. Durch das Glück mit meiner Gastfamilie hatte ich überhaupt keine Probleme mich einzuleben und habe mich sehr schnell wohlfühlen können. Schnell habe ich auch Freunde gefunden, was die Zeit dort zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht hat. Durch meine Organisationen „CAP“, „Play Handball ZA“ und „Score“ habe ich Richtlinien bekommen, denen ich folgen sollte, um mich leichter zurechtzufinden. Ehrlich gesagt, war aber die Unterstützung meiner Gastfamilie zur Orientierung in dem neuen Land für mich hilfreicher. Fortbewegen konnte ich mich in meinem Ort ganz einfach mit einem Fahrrad oder zu Fuß. Für weitere Strecken nahm ich entweder die „öffentlichen Verkehrsmittel“, die eigentlich nur aus Reisebussen oder Zügen bestanden oder konnte mir Autos ausleihen, sowohl bei Vermietungen als auch bei meiner Gastfamilie oder Freunden. Da die Stadt, in der ich wohnte, ziemlich klein war, war es für mich sehr angenehm, auch die Chancen wahrnehmen zu können, herum zu reisen und Neues zu sehen. Ich denke, bei Sehenswürdigkeiten gibt es in Südafrika viele zu erwähnen. Meine Favoriten waren in Kapstadt der Lions Hill, der „De Hoop“ Nationalpark und der Ferienort Parternoster. Hier habe ich tolle Erfahrungen gemacht und die aufregende Natur kennengelernt. Meiner Meinung nach sind die Standardsehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Kap der Guten Hoffnung oder der Tablemountain (beides in Kapstadt) nicht so interessant oder erlebnisreich wie die zuvor erwähnten Attraktionen . Natürlich habe ich diese als Standardtourist auch besichtigt, aber würde diese nicht ein zweites Mal machen, da sie oft sehr überlaufen sind.
Mir hat besonders gut an meiner Arbeit gefallen, dass ich mit Leuten anderer Herkunft und mit anderen Lebenseinstellungen, Charakteren und Erfahrungen arbeiten konnte. Es war eine sehr spannende, abwechslungsreiche und doch auch anstrengende Arbeit. Hier habe ich eine Menge Erfahrungen gesammelt und neue Freunde gefunden. Außerdem gefällt mir das Land generell sehr gut, da es eine vielseitige Landschaft bietet sowie erhebliche Unterschiede zwischen den Gesellschaften zeigt, die in Deutschland oft längst vergessen sind.
Was mir nicht so gut gefallen hat, war, dass wir von einer der Organisationen nicht gut bzw. gar nicht unterstützt wurden, was uns jedoch vielleicht auf der anderen Seite wieder geholfen hat, dass wir uns mit dem Thema richtig intensiv auseinandersetzen und unseren eigenen Weg gehen mussten.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Praktikum eine unvergessliche Zeit in Südafrika war und ich jederzeit zurückkehren würde. Ich habe viel über den Umgang mit Kindern und Menschen mit Behinderung gelernt und konnte mein Verständnis dafür ganz neu ausrichten, was mir nicht nur in Zukunft in meinem Studium, sondern auch in der Begegnung mit anderen Menschen helfen wird. Mit meinen neuen Freunden und meiner Gastfamilie habe ich bis heute noch Kontakt und ein Besuch im Dezember 2015 ist schon in der Planung.